19. August 2026 · Von karlsruhe
„Eine Gründung beginnt mit einer Idee und dem Mut, dieser Idee eine Richtung zu geben.“ Mit diesem Satz fängt unser Arbeitsheft an — und mit einem Zitat von André Gide: Man entdeckt keine neuen Ozeane, wenn man nicht den Mut hat, die Küste aus den Augen zu verlieren.
Entstanden ist es aus einer Beobachtung, die wir in unseren Sprechstunden immer wieder machen: Wer gründet, findet für die strukturellen Fragen schnell Hilfe. Businessplan, Rechtsform, Finanzkalkulation, Förderprogramme — dafür gibt es Vorlagen, Beratungsstellen und Checklisten. Für die Fragen dahinter gibt es sie kaum.
Warum mache ich das eigentlich? Wer fängt mich auf, wenn es nicht klappt? Wie viel Geld brauche ich für ein gutes Leben — und traue ich mich, das auszusprechen? Woran merke ich, ob mein Vorhaben überhaupt etwas bewirkt?
Das sind keine Nebenschauplätze. Das sind die Fragen, an denen Gründungen scheitern oder tragfähig werden. Maria Fritz und Paula Belzer, die Ideengeberinnen des Hefts, haben es deshalb genau so angelegt, wie sie es selbst gern gehabt hätten, als sie losgegangen sind: als Ergänzung zu den bewährten Werkzeugen, nicht als Ersatz.
Der Anspruch ist bewusst klein gehalten. Das Heft will keine Anleitung sein, die man von vorn bis hinten abarbeitet. Es ist ein Arbeitsbuch: Du darfst darin schreiben, streichen, ausbessern, Seiten herausreißen und neu anfangen.
Durch das ganze Heft zieht sich ein Bild — das der Seereise. Du stichst in See, prüfst die Wetterverhältnisse, justierst deinen Kurs und hast unterwegs mal Rückenwind, mal erschwerende Strömungen. Das ist mehr als Dekoration: Metaphern helfen dabei, komplexe Prozesse greifbar zu machen und die eigene Lage einzuordnen.
Sechs Kapitel führen durch die Reise:
Dein persönliches Warum. Die innere Motivation, die dich trägt und deine Entscheidungen leitet. Kein perfekter Elevator Pitch, sondern Ehrlichkeit über den Kern deines Motivs.
Die Crew an deiner Seite. Wer unterstützt dich schon, wer fehlt noch? Unsere Studie zu gemeinwohlorientierten Unternehmen aus dem Jahr 2025 hat gezeigt: Wirksames Unternehmertum entsteht im Miteinander, nicht im Alleingang.
Resilient durch bewegte Zeiten. Welche Bedingungen brauchst du, um gesund und konzentriert arbeiten zu können? Mit den Inner Development Goals und den Säulen des ganzheitlichen Wohlbefindens als Rahmen.
Lass uns über Geld reden! Das Kapitel, das am meisten Überwindung gekostet hat — und vermutlich das wichtigste.
Wirtschaft neu denken. Was gemeinwohlorientiertes Wirtschaften im Alltag konkret heißt, illustriert an Vaude, Ecosia und Viva con Agua.
Deine Wirkung messen und verstehen. Vom IOOI-Modell über Indikatoren bis zu Formaten, die auch ohne wissenschaftliche Evaluation funktionieren.
Jedes Kapitel folgt derselben Struktur: Ziel, Leitfragen, Einordnung, Daten und Fakten, Erfahrungsberichte, Übungen.
Am meisten Rückmeldung bekommen wir bislang zu einem wiederkehrenden Element. Unter der Überschrift „Seefrauengarn“ stehen Erfahrungsberichte aus der Praxis — und zwar nicht die geglätteten Versionen.
Da geht es um Jahre mit geringem Einkommen, weil die eigene Mission dringlicher schien als die eigene Absicherung. Um den Punkt, an dem daraus Erschöpfung wird. Und darum, was es braucht, um wieder herauszufinden.
Es geht um die Erkenntnis, dass Idealismus allein nicht trägt: Finanzielle Stabilität ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Vorhaben über Jahre hält.
Solche Passagen stehen im Heft, weil sie im Gründungsalltag vorkommen und in Ratgebern selten. Wer gemeinwohlorientiert gründet, arbeitet oft in dem Spannungsfeld zwischen Haltung und Auskommen. Darüber zu schweigen macht es nicht besser — es führt zu Selbstausbeutung.
Für alle, die mit einer Idee aufbrechen wollen: Solo-Selbstständige, Gründer:innen eines neuen Unternehmens, Unternehmende, die bestehende Strukturen wirkungsvoller gestalten möchten. Besonders wertvoll ist es für Menschen, denen wichtig ist, dass ihr Unternehmertum mehr ist als wirtschaftlicher Erfolg.
Du kannst es allein durcharbeiten, als Grundlage für Gespräche mit Mentor:innen und Förderstellen nutzen oder einzelne Kapitel herausgreifen. Und du darfst jederzeit feststellen, dass ein anderer Hafen besser zu dir passt. Auch ein Richtungswechsel ist ein Ergebnis.
Das Arbeitsheft ist keine abgeschlossene Publikation. Wir entwickeln es weiter — mit neuen Beispielen, aktualisierten Anlaufstellen und Themen, die sich in der Beratung als Lücke zeigen. Die Übersicht der Förder- und Beratungsangebote etwa verändert sich laufend; was heute stimmt, kann in einem Jahr überholt sein.
Deshalb ist uns Rückmeldung wichtiger als Applaus. Wenn du mit dem Heft arbeitest und merkst, dass etwas fehlt, unklar ist oder in deiner Situation nicht funktioniert: Schreib uns. Das fließt in die nächste Fassung ein.
Nils Fischer, der das Kapitel zur Wirkungsmessung verantwortet, erzählt von einer Gründerin, deren erster Versuch am IOOI-Modell aus zwei halb gefüllten Spalten und vielen Fragezeichen bestand. Ihr Kommentar in der Reflexion: „Vielleicht ist meine erste Wirkung, dass ich überhaupt anfange.“ Manchmal ist genau das der entscheidende Schritt.
Hier könnt ihr das Arbeitsheft kostenlos herunterladen, ohne Anmeldung:
Alle Übungen und Vorlagen gibt es zusätzlich digital, damit du deine Antworten regelmäßig überarbeiten kannst. Die gedruckte Fassung liegt bei uns im Impact Hub aus — sie ist auf Apfelpapier gedruckt.
Und wenn du lieber mit jemandem sprechen möchtest: In unserer Impact-Sprechstunde nehmen wir uns 60 Minuten Zeit für dein Vorhaben. Vor Ort oder online, kostenfrei.
Das Arbeitsheft ist entstanden im Impact Hub Karlsruhe. Ideengeberinnen: Maria Fritz und Paula Belzer. Fachliche Betreuung des Kapitels zur Wirkungsmessung: Nils Fischer. Konzeption und Gestaltung: Kim Siegele.
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